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Torbogenhaus Künstlerfamilie Begas Burgmodell Römische Köpfe


Geilenkirchen-Gillrath, kath. Pfarrkirche St. Marien

Madonna um 1510-1515 Jan van Steffeswert oder seiner Werkstatt zugeschrieben maasländisch, Maastricht Nussbaum ?, vollrund Höhe 79,8 cm, Breite 26 cm, Tiefe 21,5 cm ergänzt: rechte Hand des Kindes, Sockel in zwei Schichten Schäden an der Krone.

Maria steht in eleganter Haltung, ganz leicht zeichnet sich das Knie des als Spielbein entlasteten linken Beins unter dem schweren Stoff des Mantels ab. Die langen Röhrenfalten des Kleides zeichnen die Biegung der Körperachse nach. Sie trägt eine Krone, darunter fällt lose ein Kopftuch über ihre lang wallenden Haare. Das Christuskind trägt sie auf der rechten Hand, ihre linke greift zart nach seinem rechten Fuß. Über der langen Tunika trägt das Kind einen ärmellosen, halblangen Kittel, als Kopfbedeckung die einem Birett ähnliche Mütze. Mit der linken Hand ergreift es die Borte am Halsausschnitt des Kleides seiner Mutter. Diese originelle Bekleidung des Kindes nach Art eines Gelehrten findet sich auch bei der von Jan van Steffeswert signierten kleinen Buchsbaum-Madonna im Oscott-College bei Birmingham (GB). Peter te Poel nennt weitere Gründe für die durch ihn eingeführte Zuschreibung. Manches - z.B. die Haare - ist bei diesem Bildwerk weniger aufwendig strukturiert, vielleicht ein Merkmal schnell und routiniert ausgeführter Werkstattarbeit. Durch die intimen Gesten bewahrt die Skulptur eine charmante Ausstrahlung.





Geilenkirchen-Grotenrath, kath. Pfarrkirche St. Kornelius

Madonna um 1500 der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet maasländisch Holz, vollrund Höhe 108 cm, Breite 35 cm, Tiefe 28 cm Zepter und Krone ergänzt neugotische Fassung.

In der rechten Hand hält die Madonna das ergänzte Zepter, mit der linken Hand trägt sie das mit einer Tunika bekleidete Kind. Dieses hat in einer völlig verdrehten Art und Weise die Beine übereinander geschlagen. Auf der linken Hand trägt das Kind die Weltkugel, die rechte hat es in segnender Gebärde erhoben. Das entlastete Knie des rechten Beins Marias markiert sich durch alle Gewandschichten. Der stilistische Zusammenhang der Figur mit den Madonnen in Geilenkirchen-Immendorf und Wassenberg- Myhl ist evident. Sie zeigen alle die aus der Kugelform entwickelten Köpfe. Die aus der Oberfläche herausgearbeiteten Binnenformen ergeben freundliche Gesichter mit einem feinen Lächeln. Die Faltenmotive sind mit einer Vorliebe für Rundungen dargeboten. Die drei Figuren werden als Referenzwerke der hier in die Diskussion gebrachten Werkgruppe mit den runden Formen beschrieben. Ihr Meister hatte nicht die Absicht, beobachtete Realität abzubilden. Es ist ihm gelungen, charmante Bildwerke zu schaffen, deren Gegenstand auf den ersten Blick zu erschließen ist.





Geilenkirchen-Immendorf, kath. Pfarrkirche St. Peter

Madonna um 1500 der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet maasländisch Holz, vollrund, ausgehöhlt, im Oberkörper mit Brett verschlossen, Brett in die Gestaltung einbezogen Höhe 93 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 45 cm (Ellenbogen), Tiefe 32 cm (oberhalb der Bankoberkante) Sockel neu, Thron neu, Zepter ergänzt, unten (runde Schuhe) überschnitzt, neue Fassung: holzimitierend, Eiche hell.

Die Muttergottes sitzt auf einer einfachen breiten Bank. Das mit einer langen Tunika bekleidete Kind sitzt in ihrem Schoß auf dem linken Oberschenkel, in der linken Hand hat es die Weltkugel, die rechte ist segnend erhoben. Seine Haltung mit den angezogenen Knien wirkt unsicher, seine Mutter stützt ihn mit der linken Hand am Rücken. Der Typus der thronenden Madonna war um 1500 nicht mehr gebräuchlich, wohl aber im 14. Jahrhundert. Möglicherweise ist dieses Werk als Ersatz für ein verlorenes älteres Stück in Auftrag gegeben worden. Unter anderem anhand der Madonna in Immendorf wird die Werkgruppe mit den runden Formen beschrieben, die hier zur Diskussion gestellt wird. Deren Hauptmerkmale - runde Köpfe und zu Abrundungen neigende Faltenmotive - zeigt die Skulptur in reiner Form. Das mild lächelnde, von sanften Haarwellen gerahmte Gesicht könnte hier auch ein Reflex einer vorbildhaften köllnischen Madonna des 14. Jahrhunderts sein; es kennzeichnet aber alle heiligen Jungfrauen dieser Werkgruppe, zu der insbesondere die Madonnen in Geilenkirchen-Grotenrath und Wassenberg-Myhl zählen.



Kruzifix mit Assistenzfiguren, 2. Hälfte 15. Jahrhundert, maasländisch Holz, vollrund Kruzifixus: Höhe 149 cm, Breite 138 cm Kreuz mit Evangelistensymbolen: Höhe 226 cm, Breite 180 cm Maria: Höhe 112,5 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 28 cm, Tiefe 20 cm Johannes: Höhe 109,5 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 28 cm ( Hüfte), Tiefe 20 cm neue, holzimitierende (!) Fassung.

Weit gespannt sind die Arme des hageren Gekreuzigten. Sein Kopf ist ein wenig zu seiner rechten Seite und nach vorn gesunken, die Augen und der Mund sind geschlossen. Maria hat die Hände vor der Brust zusammengelegt, den Blick gesenkt. Johannes blickt auf und hebt die Hände in einer unbestimmten Geste. Vor dem Aufbringen der wohl ziemlich dicken neuen Fassung scheinen die Holzoberflächen geschliffen worden zu sein. Manche Einzelheit - beispielsweise an Gesicht und Haaren Johannes - wirkt jedenfalls verschliffen. Bei dem Gekreuzigten mit den geschlossenen Augen werden Motive eines älteren Typus zitiert. Die gratigen Falten zwischen Rippen und Bauchhöhle konnte der Bildschnitzer bei den Kruzifixen in Wegberg- Beeck oder ähnlichen Werken studieren. Das Lendentuch ist zwischen linker Hüfte und Bauch durchgeschoben und unten lugt ein Zipfel heraus (vgl. den Kruzifixus in Heinsberg-Karken).

                  



Geilenkirchen-Lindern, kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist

Hl. Antonius Abt um 1500-1510 dem Meister von Elsloo zugeschrieben maasländisch, Roermond ? Eiche, vollrund, im Sockel tiefe Bohrung, Dm 3,3-3,8 cm Höhe 102 cm, Breite 33 cm (Ellenbogen), Tiefe 22 cm (Untier) Anstückungen und/oder Ergänzungen: Hände, Stab, rechte Hälfte des Untier-Gesichts und Ohr, Teil der Kapuze hinten, daran der gesamte rechte (heraldische) Rücken fast bis unten, hoch 63 cm, oben 13 cm unten 16 cm breit, zwei Stücke in der Front links neben der langen Stoffbahn und linke Kante davon. Vierung (6,5 x 5 cm) am rechten Ellenbogen, daran schmale (0,3-1) Ergänzung bis unten, unten am Sockel große Ergänzung (5,5 x 10 cm), Taustab ergänzt, neuere Fassung.

Der hl. Antonius tritt mit dem rechten Fuß auf den Drachen, der ihm mit der rechten Kralle ins Gewand greift und die Zähne fletscht. Mit der linken Hand hält der bärtige Einsiedler den Taustab, die rechte hat er zu einer abwehrenden Gebärde gegen das Ungetüm erhoben. Die Figur zeigt mit dem Lockenkranz um das Gesicht ein Motiv aus dem Fundus der Elsloo-Werkstatt. Auch das Untier und seine lästige Unart, den heiligen Eremiten am Gewand zu ziehen, sind von daher bekannt. Das milde, gütige Altmännergesicht ist in diesem OEuvre aber eher selten. Entwurf und Ausführung erscheinen so stimmig und unverkrampft, dass hier wohl der Hauptmeister seinen Mitarbeitern einmal gezeigt haben dürfte, wie es gemacht wird. Ein Argument gegen diese These könnten die vielen und großen ein- und angesetzten Partien sein. Wenn sie schon während der Herstellung der Figur nötig waren, wofür vieles spricht, müssten sie als Pentimenti bewertet werden. Oder hat es bei dem nicht ausgehöhlten Werkblock größere Schäden durch Risse gegeben?





Hl. Hermann Josef ? um 1500-1510 der Elsloo-Werkgruppe zugeschrieben maasländisch, Roermond ? Nussbaum, vollrund Höhe 111,5 cm (incl 1,6 cm für den neuen Sockel), Breite 41 cm (Hände ohne die ergänzte linke mit dem Buch), Tiefe 31 cm (angesetzte, originale rechte Hand) rechte Hand angesetzt, linke Hand mit dem Buch ergänzt;

Ergänzungen am Sockel unter dem linken, spitzen Schuh, dessen Spitze fehlt; daneben nach hinten eine weitere Ergänzung am Sockel; des weiteren sehr viel Kitt; Wurmlöcher; neue Fassung.

Die linke Hand mit dem Buch ist ergänzt. Was der heilige Mönch in der original angesetzten rechten Hand gehalten haben mag, ist nicht mehr zu erschließen. Um mit dem rechten Bein vorschreiten zu können, hat er seine Kutte geschürzt. Es ergibt sich ein Motiv aus ineinander geschachtelten Schüsselfalten.

Während sein Gesicht mit großer Plastizität markant charakterisiert ist, ist das Relief der Gewandfalten eher flach ausgefallen. Das Gesicht und die Stilisierung des Haarkranzes um die Tonsur führen zu der Zuschreibung an die Elsloo- Werkgruppe, die hier vorgeschlagen wird.







Geilenkirchen-Süggerath, kath. Pfarrkirche Heilig Kreuz

Passionsretabel um 1520 Antwerpen Eiche, Hochrelief Schreinmaße: Höhe 264 cm, Breite 228 cm, Tiefe 30,2 cm, Seiten außen 133 cm diverse Ergänzungen Fassung des 19. Jahrhunderts Das Retabel mit den geschnitzten Szenen in den Guckkästen des Schreins ist mit bemalten Flügeln zu verschließen. Für die mittlere Szene - die Kreuzigung - ist der Schrein oben ausgezogen; der obere Abschluss ist durch Vorhangbögen zusätzlich dekoriert. Bei den Fächern links (Kreuztragung) und rechts (Kreuzabnahme) von der Mitte sind die oberen Abschlüsse flach. Bei den wesentlich kleineren Szenen darunter sind links von der überhöhten Mitte die Verkündigung an Maria und die Geburt Christi dargestellt, rechts davon Beschneidung und Darbringung im Tempel. Dazwischen und inhaltlich im Zusammenhang mit den Passionsszenen zu sehen, ist die Auferstehung Christi dargestellt.

Die Darstellungen der Flügelinnenseiten sind - womöglich chronologisch in Leserichtung von links nach rechts - eingereiht in die Geschichte der Passion: links die Gefangennahme und Ecce Homo, darüber Christus vor Pilatus. Die Szenen auf der rechten Seite schließen an die Auferstehung an und zeigen die Himmelfahrt und das Pfingstwunder. Der kleine Flügel oben bringt die Grablegung im Anschluss an die Kreuzabnahme. Die Schaukästen im Schrein sind umrahmt von Hohlkehlen, in denen sehr kleine szenische Darstellungen die inhaltlichen Bezüge noch weiter verdichten. Bei der Kreuztragung gibt es den Einzug in Jerusalem und die Ölbergszene, bei der Kreuzabnahme die Taufe und die Beweinung.

Die Darstellung der Taufe steht im Zusammenhang mit den anderen sechs Sakramenten, die in der Rahmung um den Kalvarienberg erscheinen. Die Außenseiten der Flügel sind typologisch auf das Altarsakrament bezogen: Abraham und Melchisedech, die Gregorsmesse, das letzte Abendmahl Christi mit seinen Jüngern, darüber die Leidenswerkzeuge. Die Predella mit dem Tabernakel und das Gesprenge mit den drei Figuren sind Hinzufügungen durch Richard Moest von 1877. Durch die Antwerpener Beschaumarke - die Hand - ist die Einordnung klar. Brigitte Schwanecke lobt zu recht die Qualität der Skulpturen innerhalb der Menge der erhaltenen Retabel aus der Stadt an der Schelde.




                 





Kruzifix um 1480 niederrheinisch Holz, vollrund Höhe 43 cm, Breite 39 cm, Tiefe 10,5 cm (Dornenkrone) neuere Fassung.

Die Arme des Gekreuzigten sind nach oben abgewinkelt. Bemerkenswert ist die Haltung der Finger an beiden Händen: Zeige- und Mittelfinger sind gestreckt, die anderen um die Nagelköpfe gekrampft. Auf dem leicht zur rechten Schulter hin geneigten Kopf sitzt eine große, aus vielen Ästen geflochtene Dornenkrone. Im Vergleich zum Kopf wirkt der Körper schmächtig. Der Brustkorb ist mit den Rippen angegeben; er hat ein kleines Bäuchlein. Mit den anatomischen Details hat sich der Bildschnitzer Mühe gegeben. Die großen, recht plastischen Einzelformen in dem ausdrucksvollen Gesicht motivieren Einordnung und Datierung.





Geilenkirchen-Würm, katholische Pfarrkirche St. Gereon

Annaselbdritt um 1500 der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet maasländisch Nussbaum, vollrund Höhe 72 cm, Breite 27,5 cm (Hüfte), Tiefe 18 cm (Hüfte) angedübelte linke Hand Annas verloren, rechte Hand Marias (aus dem Block) verloren, ebenso einige Zacken aus ihrer Krone, rechte Hand des Christkinds verloren, Sockel völlig zerfressen vor einigen Jahren in üblem Zustand aufgefunden, danach restauriert neuere Fassung.

Mit der rechten Hand trägt die heilige Anna ihre Tochter, die in den Dimensionen und in der Position den Platz einnimmt, der bei einer Madonna dem Christuskind zukommt. Dieses aber - in den Proportionen passend zu Maria - sitzt hier im Schoß seiner Mutter. Bei dieser Darstellung ist klar, dass die heilige Anna im Zentrum des Interesses steht, und die Gottesmutter hier lediglich die Funktion eines Attributes hat, das die Stellung der Heiligen im Heilsgeschehen verdeutlicht. Die Personen haben runde Köpfe, aus denen die einzelnen Formen der Gesichter mühsam von der Oberfläche her ausgegraben scheinen. Die Faltenbildung auf den langen Gewändern wirkt simpel, hier ist eine Vorliebe für Abrundungen zu konstatieren. Diese Merkmale kennzeichnen die Werkgruppe mit den runden Formen, deren Konstituierung wir hier vorschlagen. Die kleine Maria der Annaselbdrittgruppe in Geilenkirchen-Würm erscheint wie eine verkleinerte Replik der thronenden Muttergottes in Geilenkirchen-Immendorf, die wir als eines der Schlüsselwerke der Gruppe beschreiben.