Publikationen
- Spätmittelalterliche Holzskulptur zwischen Maas, Rur und Wurm
- Aachen
- Ambt Montfort
- Amsterdam
- Beek
- Born
- Düsseldorf
- Echt
- Eijsden
- Erkelenz
- Gangelt
- Geelen
- Geilenkirchen
- Goch
- Gulpen
- Heel
- Heerlen
- Heinsberg
- Hückelhoven
- Hunsel
- Kerkrade
- Köln
- Maasbracht
- MaastrichtI
- MaastrichtII
- MaastrichtIII
- MaastrichtIV
- Margraten
- Meerssen
- Nuth
- Rijssel
- Roermond
- Schinnen
- Selfkant
- Simpelveld
- Sittard
- Stein
- Susteren
- Thorn
- Übach-Palenberg
- Valkenburg
- Waldfeucht
- Laatmiddeleeuwse houten beelden tussen Maas, Roer en Worm
Geilenkirchen-Gillrath, kath. Pfarrkirche St. Marien
Madonna
um 1510-1515
Jan van Steffeswert oder seiner Werkstatt zugeschrieben
maasländisch, Maastricht
Nussbaum ?, vollrund
Höhe 79,8 cm, Breite 26 cm, Tiefe 21,5 cm
ergänzt: rechte Hand des Kindes, Sockel in zwei Schichten
Schäden an der Krone.
Maria steht in eleganter Haltung, ganz leicht zeichnet sich das
Knie des als Spielbein entlasteten linken Beins unter dem
schweren Stoff des Mantels ab. Die langen Röhrenfalten des
Kleides zeichnen die Biegung der Körperachse nach. Sie trägt
eine Krone, darunter fällt lose ein Kopftuch über ihre lang wallenden
Haare. Das Christuskind trägt sie auf der rechten Hand,
ihre linke greift zart nach seinem rechten Fuß. Über der langen
Tunika trägt das Kind einen ärmellosen, halblangen Kittel, als
Kopfbedeckung die einem Birett ähnliche Mütze. Mit der linken
Hand ergreift es die Borte am Halsausschnitt des Kleides seiner
Mutter.
Diese originelle Bekleidung des Kindes nach Art eines
Gelehrten findet sich auch bei der von Jan van Steffeswert signierten
kleinen Buchsbaum-Madonna im Oscott-College bei
Birmingham (GB). Peter te Poel nennt weitere Gründe für die
durch ihn eingeführte Zuschreibung. Manches - z.B. die Haare
- ist bei diesem Bildwerk weniger aufwendig strukturiert, vielleicht
ein Merkmal schnell und routiniert ausgeführter Werkstattarbeit.
Durch die intimen Gesten bewahrt die Skulptur eine
charmante Ausstrahlung.
Geilenkirchen-Grotenrath, kath. Pfarrkirche St. Kornelius
Madonna
um 1500
der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet
maasländisch
Holz, vollrund
Höhe 108 cm, Breite 35 cm, Tiefe 28 cm
Zepter und Krone ergänzt
neugotische Fassung.
In der rechten Hand hält die Madonna das ergänzte
Zepter, mit der linken Hand trägt sie das mit einer Tunika
bekleidete Kind. Dieses hat in einer völlig verdrehten Art
und Weise die Beine übereinander geschlagen. Auf der
linken Hand trägt das Kind die Weltkugel, die rechte hat
es in segnender Gebärde erhoben. Das entlastete Knie
des rechten Beins Marias markiert sich durch alle Gewandschichten.
Der stilistische Zusammenhang der Figur mit den
Madonnen in Geilenkirchen-Immendorf und Wassenberg-
Myhl ist evident. Sie zeigen alle die aus der Kugelform
entwickelten Köpfe. Die aus der Oberfläche herausgearbeiteten
Binnenformen ergeben freundliche
Gesichter mit einem feinen Lächeln. Die Faltenmotive
sind mit einer Vorliebe für Rundungen dargeboten. Die
drei Figuren werden als Referenzwerke der hier in die
Diskussion gebrachten Werkgruppe mit den runden
Formen beschrieben. Ihr Meister hatte nicht die Absicht,
beobachtete Realität abzubilden. Es ist ihm gelungen,
charmante Bildwerke zu schaffen, deren Gegenstand
auf den ersten Blick zu erschließen ist.
Geilenkirchen-Immendorf, kath. Pfarrkirche St. Peter
Madonna
um 1500
der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet
maasländisch
Holz, vollrund, ausgehöhlt, im Oberkörper mit Brett verschlossen, Brett in die Gestaltung einbezogen
Höhe 93 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 45 cm (Ellenbogen),
Tiefe 32 cm (oberhalb der Bankoberkante)
Sockel neu, Thron neu, Zepter ergänzt, unten (runde Schuhe) überschnitzt, neue Fassung:
holzimitierend, Eiche hell.
Die Muttergottes sitzt auf einer einfachen breiten Bank.
Das mit einer langen Tunika bekleidete Kind sitzt in
ihrem Schoß auf dem linken Oberschenkel, in der linken
Hand hat es die Weltkugel, die rechte ist segnend
erhoben. Seine Haltung mit den angezogenen Knien
wirkt unsicher, seine Mutter stützt ihn mit der linken
Hand am Rücken. Der Typus der thronenden Madonna
war um 1500 nicht mehr gebräuchlich, wohl aber im 14.
Jahrhundert. Möglicherweise ist dieses Werk als Ersatz
für ein verlorenes älteres Stück in Auftrag gegeben worden.
Unter anderem anhand der Madonna in Immendorf wird
die Werkgruppe mit den runden Formen beschrieben,
die hier zur Diskussion gestellt wird. Deren Hauptmerkmale
- runde Köpfe und zu Abrundungen neigende
Faltenmotive - zeigt die Skulptur in reiner Form. Das
mild lächelnde, von sanften Haarwellen gerahmte Gesicht
könnte hier auch ein Reflex einer vorbildhaften
köllnischen Madonna des 14. Jahrhunderts sein; es
kennzeichnet aber alle heiligen Jungfrauen dieser
Werkgruppe, zu der insbesondere die Madonnen in
Geilenkirchen-Grotenrath und Wassenberg-Myhl
zählen.
Kruzifix mit Assistenzfiguren,
2. Hälfte 15. Jahrhundert,
maasländisch
Holz, vollrund
Kruzifixus: Höhe 149 cm, Breite 138 cm
Kreuz mit Evangelistensymbolen: Höhe 226 cm, Breite 180 cm
Maria: Höhe 112,5 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 28 cm, Tiefe 20 cm
Johannes: Höhe 109,5 cm (incl. 2,7 cm neuer Sockel), Breite 28 cm ( Hüfte), Tiefe 20 cm
neue, holzimitierende (!) Fassung.
Weit gespannt sind die Arme des hageren Gekreuzigten.
Sein Kopf ist ein wenig zu seiner rechten Seite und
nach vorn gesunken, die Augen und der Mund sind
geschlossen. Maria hat die Hände vor der Brust zusammengelegt,
den Blick gesenkt. Johannes blickt auf und
hebt die Hände in einer unbestimmten Geste.
Vor dem Aufbringen der wohl ziemlich dicken neuen
Fassung scheinen die Holzoberflächen geschliffen worden
zu sein. Manche Einzelheit - beispielsweise an
Gesicht und Haaren Johannes - wirkt jedenfalls verschliffen.
Bei dem Gekreuzigten mit den geschlossenen
Augen werden Motive eines älteren Typus zitiert. Die
gratigen Falten zwischen Rippen und Bauchhöhle konnte
der Bildschnitzer bei den Kruzifixen in Wegberg-
Beeck oder ähnlichen Werken studieren. Das Lendentuch
ist zwischen linker Hüfte und Bauch durchgeschoben
und unten lugt ein Zipfel heraus (vgl. den Kruzifixus
in Heinsberg-Karken).
Geilenkirchen-Lindern, kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist

Hl. Antonius Abt
um 1500-1510
dem Meister von Elsloo zugeschrieben
maasländisch, Roermond ?
Eiche, vollrund, im Sockel tiefe Bohrung, Dm 3,3-3,8 cm
Höhe 102 cm, Breite 33 cm (Ellenbogen), Tiefe 22 cm (Untier)
Anstückungen und/oder Ergänzungen: Hände, Stab, rechte Hälfte des
Untier-Gesichts und Ohr, Teil der Kapuze hinten, daran der gesamte
rechte (heraldische) Rücken fast bis unten, hoch 63 cm, oben 13 cm
unten 16 cm breit, zwei Stücke in der Front links neben der langen
Stoffbahn und linke Kante davon. Vierung (6,5 x 5 cm) am rechten
Ellenbogen, daran schmale (0,3-1) Ergänzung bis unten, unten am
Sockel große Ergänzung (5,5 x 10 cm), Taustab ergänzt, neuere
Fassung.
Der hl. Antonius tritt mit dem rechten Fuß auf den Drachen, der ihm mit
der rechten Kralle ins Gewand greift und die Zähne fletscht. Mit der linken
Hand hält der bärtige Einsiedler den Taustab, die rechte hat er zu
einer abwehrenden Gebärde gegen das Ungetüm erhoben.
Die Figur zeigt mit dem Lockenkranz um das Gesicht ein Motiv aus
dem Fundus der Elsloo-Werkstatt. Auch das Untier und seine lästige
Unart, den heiligen Eremiten am Gewand zu ziehen, sind von daher
bekannt. Das milde, gütige Altmännergesicht ist in diesem OEuvre
aber eher selten. Entwurf und Ausführung erscheinen so stimmig und
unverkrampft, dass hier wohl der Hauptmeister seinen Mitarbeitern
einmal gezeigt haben dürfte, wie es gemacht wird.
Ein Argument gegen diese These
könnten die vielen und großen
ein- und angesetzten Partien
sein. Wenn sie schon während
der Herstellung der Figur nötig
waren, wofür vieles spricht, müssten
sie als Pentimenti bewertet
werden. Oder hat es bei dem
nicht ausgehöhlten Werkblock
größere Schäden durch Risse
gegeben?

Hl. Hermann Josef ?
um 1500-1510
der Elsloo-Werkgruppe zugeschrieben
maasländisch, Roermond ?
Nussbaum, vollrund
Höhe 111,5 cm (incl 1,6 cm für den neuen Sockel), Breite 41 cm (Hände ohne die ergänzte linke
mit dem Buch), Tiefe 31 cm (angesetzte, originale rechte Hand)
rechte Hand angesetzt, linke Hand mit dem Buch ergänzt;
Ergänzungen am Sockel unter dem linken, spitzen Schuh,
dessen Spitze fehlt; daneben nach hinten eine weitere
Ergänzung am Sockel; des weiteren sehr viel Kitt; Wurmlöcher;
neue Fassung.
Die linke Hand mit dem Buch ist ergänzt. Was der heilige
Mönch in der original angesetzten rechten Hand gehalten
haben mag, ist nicht mehr zu erschließen. Um mit dem rechten
Bein vorschreiten zu können, hat er seine Kutte geschürzt.
Es ergibt sich ein Motiv aus ineinander geschachtelten
Schüsselfalten.
Während sein Gesicht mit großer Plastizität markant charakterisiert
ist, ist das Relief der Gewandfalten eher flach ausgefallen.
Das Gesicht und die Stilisierung des Haarkranzes
um die Tonsur führen zu der
Zuschreibung an die Elsloo-
Werkgruppe, die hier vorgeschlagen
wird.
Geilenkirchen-Süggerath, kath. Pfarrkirche Heilig Kreuz

Passionsretabel
um 1520
Antwerpen
Eiche, Hochrelief
Schreinmaße: Höhe 264 cm, Breite 228 cm, Tiefe 30,2 cm, Seiten außen 133 cm
diverse Ergänzungen
Fassung des 19. Jahrhunderts
Das Retabel mit den geschnitzten
Szenen in den
Guckkästen des Schreins ist
mit bemalten Flügeln zu verschließen.
Für die mittlere
Szene - die Kreuzigung - ist
der Schrein oben ausgezogen;
der obere Abschluss ist durch
Vorhangbögen zusätzlich dekoriert.
Bei den Fächern links
(Kreuztragung) und rechts
(Kreuzabnahme) von der Mitte
sind die oberen Abschlüsse
flach. Bei den wesentlich kleineren
Szenen darunter sind
links von der überhöhten Mitte
die Verkündigung an Maria
und die Geburt Christi dargestellt,
rechts davon Beschneidung
und Darbringung im Tempel. Dazwischen und inhaltlich im Zusammenhang mit den
Passionsszenen zu sehen, ist die Auferstehung Christi dargestellt.
Die Darstellungen der Flügelinnenseiten sind - womöglich chronologisch in Leserichtung von
links nach rechts - eingereiht in die Geschichte der Passion: links die Gefangennahme und Ecce
Homo, darüber Christus vor Pilatus. Die Szenen auf der rechten Seite schließen an die Auferstehung
an und zeigen die Himmelfahrt und das Pfingstwunder. Der kleine Flügel oben bringt
die Grablegung im Anschluss an die Kreuzabnahme. Die Schaukästen im Schrein sind umrahmt
von Hohlkehlen, in denen sehr kleine szenische Darstellungen die inhaltlichen Bezüge noch weiter
verdichten. Bei der Kreuztragung gibt es den Einzug in Jerusalem und die Ölbergszene, bei
der Kreuzabnahme die Taufe und die Beweinung.
Die Darstellung der Taufe steht im Zusammenhang mit den anderen sechs Sakramenten, die in
der Rahmung um den Kalvarienberg erscheinen. Die Außenseiten der Flügel sind typologisch
auf das Altarsakrament bezogen: Abraham und Melchisedech, die Gregorsmesse, das letzte
Abendmahl Christi mit seinen Jüngern, darüber die Leidenswerkzeuge. Die Predella mit dem
Tabernakel und das Gesprenge mit den drei Figuren sind Hinzufügungen durch Richard Moest
von 1877. Durch die Antwerpener Beschaumarke - die Hand - ist die Einordnung klar. Brigitte
Schwanecke lobt zu recht die Qualität der Skulpturen innerhalb der Menge der erhaltenen
Retabel aus der Stadt an der Schelde.

Kruzifix
um 1480
niederrheinisch
Holz, vollrund
Höhe 43 cm, Breite 39 cm, Tiefe 10,5 cm (Dornenkrone)
neuere Fassung.
Die Arme des Gekreuzigten sind nach oben abgewinkelt.
Bemerkenswert ist die Haltung der Finger
an beiden Händen: Zeige- und Mittelfinger sind
gestreckt, die anderen um die Nagelköpfe gekrampft.
Auf dem leicht zur rechten Schulter hin
geneigten Kopf sitzt eine große, aus vielen Ästen
geflochtene Dornenkrone.
Im Vergleich zum Kopf wirkt der Körper schmächtig.
Der Brustkorb ist mit den Rippen angegeben;
er hat ein kleines Bäuchlein. Mit den anatomischen
Details hat sich der Bildschnitzer Mühe
gegeben. Die großen, recht plastischen Einzelformen
in dem ausdrucksvollen Gesicht motivieren
Einordnung und Datierung.
Geilenkirchen-Würm, katholische Pfarrkirche St. Gereon

Annaselbdritt
um 1500
der Werkgruppe mit den runden Formen zugeordnet
maasländisch
Nussbaum, vollrund
Höhe 72 cm, Breite 27,5 cm (Hüfte), Tiefe 18 cm (Hüfte)
angedübelte linke Hand Annas verloren, rechte Hand Marias (aus dem Block) verloren, ebenso
einige Zacken aus ihrer Krone, rechte Hand des Christkinds verloren, Sockel völlig zerfressen
vor einigen Jahren in üblem Zustand aufgefunden, danach restauriert
neuere Fassung.
Mit der rechten Hand trägt die heilige Anna ihre Tochter, die in den
Dimensionen und in der Position den Platz einnimmt, der bei einer
Madonna dem Christuskind zukommt. Dieses aber - in den Proportionen
passend zu Maria - sitzt hier im Schoß seiner Mutter.
Bei
dieser Darstellung ist klar, dass die heilige Anna im Zentrum des
Interesses steht, und die Gottesmutter hier lediglich die Funktion
eines Attributes hat, das die Stellung der Heiligen im Heilsgeschehen
verdeutlicht.
Die Personen haben runde Köpfe, aus denen die einzelnen
Formen der Gesichter mühsam von der Oberfläche her ausgegraben
scheinen. Die Faltenbildung auf den langen Gewändern wirkt
simpel, hier ist eine Vorliebe für Abrundungen zu konstatieren.
Diese Merkmale kennzeichnen die Werkgruppe mit den runden
Formen, deren Konstituierung wir hier vorschlagen. Die kleine
Maria der Annaselbdrittgruppe in Geilenkirchen-Würm erscheint
wie eine verkleinerte Replik der thronenden Muttergottes in
Geilenkirchen-Immendorf, die wir als eines der Schlüsselwerke
der Gruppe beschreiben.
