Handwerk
- Korbflechter
- Holzschuhmacher
Handwerk
Das Tal von Rur und Wurm bot in früherer Zeit günstige Standortbedingungen für Weiden, Erlen und Pappeln, dem Rohmaterial der Korbflechter und Holzschuhmacher. Diesen natürlichen Begebenheiten entspricht es, wenn sich dort nach den historischen Quellen seit dem 15. Jahrhundert beide Handwerke besonders häufig nachweisen lassen. Bereits aus dem 16. Jahrhundert ist die Herstellung von fisch-, Tauch- und Transportkörben und von geflochtenen Fenstergittern in Orten des Rur-Wurm-Tals belegt. Über Korbwaren aus geschälten (weißen) Weiden, darunter Kinderwiegen und Blumenkörbchen, sowie über deren Herstellung und Verkauf durch Frauen berichtet um 1638 der Heinsberger Stiftskanoniker Peter von Streithagen, der das Flechten als eine Arbeit „mit kargem Gewinn" bezeichnet.
Als infolge einer durch das Erbrecht bedingten starken Zunahme des heimischen Kleinbauerntums etwa seit Mitte des 16. Jahrhunderts immer mehr Familien einen außeragrarischen Nebenerwerb betrieben, machte sich diese Entwicklung vor allem auch in einer Zunahme der Holzschuhmacher und Korbflechter bemerkbar. Vor allem erhöhte sich die Zahl der letzteren, da für die Korbherstellung weder ein großer Arbeitsraum noch eine Vielzahl von Spezialwerkzeugen erforderlich war, wie sie die Holzschuhmacherei erforderte. Frühe Schwerpunkte der Korbflechterei waren Hückelhoven, wo schon vor 1533 eine Korbmacherbruderschaft bestand, Heinsberg, Brachelen und Hilfarth. Um 1800 waren von 94 im Bereich des heutigen Kreisgebietes nachweisbaren Flechtern alleine 56 in Hilfarth tätig.
Zu einer starken Ausdehnung der erst seit jüngerer Zeit systematisch angelegten Korbweidenkulturen kam es im Rurtal um die Mitte des 19. Jahrhunderts. In Heinsberg wurde 1876 eine „Lehranstalt für Korbflechterei" gegründet, eine der frühesten berufsschulähnlichen Einrichtungen im Deutschen Reich, die auch anspruchsvollere Korbmöbel produzierte. Außer gewerblichen Korbmachern gab es aber noch immer zahlreiche nebenberufliche. Die Holzschuhmacherei war als Nebenerwerbsquelle noch stärker ausgeprägt. Beide Tätigkeiten galten lange nicht als vollgültige Handwerke, so dass es erst zu Beginn der 1930er Jahre zu Zusammenschlüssen von Zwangsinnungen kam. Nach einer kurzen Scheinblüte während des zweiten Weltkriegs und in der frühen Nachkriegszeit nahm dann mit der Zahl auch die gewerbliche Bedeutung der heimischen Korbflechterei und Holzschuhmacherei rapide ab.




