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Torbogenhaus Künstlerfamilie Begas Burgmodell Römische Köpfe

Reinhold Begas

Reinhold Begas, dessen künstlerisches Talent als Bildhauer früh entdeckt wurde, erhielt schon ab seinem zwölften Lebensjahr seine Ausbildung an der Berliner Akademie bei seinen Taufpaten Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch und Ludwig Wichmann. Als Schüler im Atelier von Rauch, in dem zu dieser Zeit die Ausführung des Reiterdenkmals Friedrichs des Großen im Zentrum des Schaffens stand, stellte Reinhold Begas 1852 auf der Berliner Akademie-Ausstellung seine erste eigenständige Arbeit mit der in Gips ausgeführten Gruppe „Hagar und Ismael" vor. 1855 erhielt auch Reinhold ein Stipendium der Berliner Akademie und ging nach Rom. Er schloss sich dem Kreis deutsch-römischer Künstler an, zu denen Anselm Feuerbach, Franz Lenbach und Arnold Böcklin zählten. Wieder nach Berlin zurückgekehrt, gelang ihm sein künstlerischer Durchbruch mit der Gruppe „Pan und Psyche" (1857), die 1858 auf der Berliner Akademie-Ausstellung gezeigt wurde.

Zwischen 1860 und 1863 folgte Reinhold Begas gemeinsam mit Böcklin und Lenbach einem Ruf als Lehrer an die neu gegründete Kunstschule in Weimar, arbeitete jedoch am 1865 wieder ständig in Berlin. Sein preisgekrönter Entwurf (1865) im Wettbewerb für ein Schiller-Denkmal in Berlin (Einweihung 1871) galt allgemein als Sieg der neubarocken Stilrichtung über den Spätklassizismus der Schule Rauchs.

Reinhold Begas erhielt weitere große öffentliche Aufträge, darunter u.a. das Sitzmonument Alexander von Humboldts vor der Humboldt-Universität (1883), das Grabmal im Mausoleum des Kaisers Friedrich III. (1889) und den Neptun-Brunnen vor dem Berliner Stadtschloss (1886-1891; heute vor dem Roten Rathaus). Mit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1888 wurde Reinhold zum Repräsentanten eines neubarocken, imperialistisch-monumentalen Staatsstiles. 1892-1897 entstand unter seiner Leitung das Nationaldenkmal Kaiser Wihelms I. vor dem Berliner Schloss (zerstört 1950). Seine letzte große Arbeit im Auftrag des Kaisers war das ehemals vor dem Berliner Reichstag aufgestellte Bismarck-Denkmal (1897-1901).

Die bildhauerischen Arbeiten von Reinhold Begas wurden bestimmend für das Stadtbild Berlins in der zweiten hälfte des 19. Jahrhunderts. Sein neubarocker Stil, den er als erster in Berlin einführte, ist geprägt durch vitale Sinnlichkeit und Naturalismus, die sich in seinen Monumentalplastiken mit theatralischem Pathos verbinden. Zu seinen besonderen und überzeugenden Leistungen zählen jedoch zahlreiche Büsten, Bildnisreliefs und Kleinplastiken. Die große Anerkennung seiner Werke, die ihm zu seiner Zeit zuteil wurde, verlor sich jedoch mit der Entwicklung neuer, klassizistischer Kunstströmungen, zu denen Reinhold Begas der Anschluss nicht gelang.

Auch unter den Nachkommen von Reinhold Begas setzte sich die künstlerische Begabung fort. Von seinen drei Kindern Werner (1872-1927), Molly (*1873) und Gottfried (1877-1928?) aus der Ehe mit Margarethe Phillipp, wurde der älteste Sohn ebenfalls Bildhauer.

Quelle: Rita Müllejans-Dickmann, Dorothee Haffner, Udo Felbinger: Carl Joseph Begas (1794-1854) - Blick in die Heimat, Museumsschriften des Kreises Heinsberg 15, Heinsberg 1994, S. 46-47

 


* 15.07.1831 in Berlin
† 03.08.1911 in Berlin

Reinhold Begas
Fotografie von Jacob Hilsdorf

Reinhold Begas
Fotografie von Jacob Hilsdorf
Quelle: Nicola Perscheid, Theodor und Jacob Hilsdorf, August Sander. Der rheinland-pfälzische Beitrag zur Geschichte der Photographie. Katalog Landesmuseum Mainz 1989.

Athlet

Athlet (1888)
Bronzehohlguß,
Kreismuseum Heinsberg

65,7 x 20,8 x 11,6 cm
Dauerleihgabe der
LETTER Stiftung, Köln

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