Carl Begas der Jüngere
Der Bildhauer Carl Begas d. J., jüngster Sohn von Carl Joseph Begas, war gerade neun Jahre alt, als der Vater starb. Er war ein Kind von unbändiger wilder Lebenskraft und zeigte im Kindesalter gleichermaßen zeichnerisches und bildnerisches Talent. Sein erster Lehrer wurde sein vierzehn Jahre älterer Bruder Reinhold Begas. Dieser Ausbildung schloß sich eine Tätigkeit im Atelier des Bildhauers Louis Sußmann-Hellborn an. Zu seinen frühesten Arbeiten zählen eine Büste Beethovens (1866) und eine "Caritas"-Gruppe (1868). Auch Carl Begas ging zur weiteren Ausbildung im Jahr 1869 nach Rom, wo er sich dem Kreis um Hans von Marées anschloß. Eine 1878 angefertigte Bildnisbüste des Malers von Marées, die Carl Begas in getöntem Marmor ausführte, wurde von der Nationalgalerie Berlin erworben.
Carl Begas beteiligte sich erfolgreich an einigen Konkurrenzen um öffentliche Aufträge. Für die Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses schuf er die Bronzestatue einer kranzwerfenden Viktoria (1880), für die Vorhalle des Alten Museums in Berlin fertigte er 1887 das Standbild des Architekten Knobelsdorff und für die Akademie der Künste die Marmorbüste des Ministers von Bethmann-Hollweg.
Im Jahre 1890 ging Carl Begas als Lehrer nach Kassel. An der dortigen Kunstakademie wurde ihm die Nachfolge von Karl Hassenpflug (1824-1890) übertragen. Zu seinen größeren Werken dieser Zeit gehört das "Vaterländische Denkmal" (1896) für die Stadt Kassel. Auch für Berlin wurde Carl Begas d. J. zumeist unter künstlerischer Leitung seines Bruders Reinhold weiter tätig. Es gelang ihm jedoch nicht, sich in seiner künstlerischen Entwicklung von seinem älteren Bruder und Lehrer zu lösen, hinter dessen Erfolgen er stets zurücktrat.
Quelle: Rita Müllejans-Dickmann, Dorothee Haffner, Udo Felbinger: Carl Joseph Begas (1794-1854) - Blick in die Heimat, Museumsschriften des Kreises Heinsberg 15, Heinsberg 1994, S. 48
KURZBIOGRAPHIE
1845
Am 23. November 1845 wird Carl Begas d. J. als jüngstes von acht Kindern des preußischen Hofmalers Prof. Carl Begas d.Ä. und seiner Frau Wilhelmine, geb. Bock, geboren.
1854
Tod des Vaters. Carl wächst in der Obhut seines 14 Jahre älteren Bruders Reinhold auf.
1862-64
Studium der Bildhauerei im Atelier seines Bruders Reinhold und an der Berliner Akademie der Künste. Unterricht bei dem Bildhauer Louis Sussmann-Hellborn (1828-1908).
ab 1866
Erste freie Arbeiten: Büste L. v. Beethoven; Caritas-Gruppe
1869
Erster Studienaufenthalt in Rom. Es folgten weitere längere Aufenthalte in Rom von 1873-78, 1886 und 1892.
1877
Heirat mit Anna von Behr in Großpaschleben bei Köthen. Anna von Behr war die Tochter des Sozialisten Ottmar von Behr (1810-1856) und seiner 1. Ehefrau Emilie Tenge.
1878
Geburt des Sohnes Ottmar in Rom.
1882
Geburt der Tochter Oda in Berlin.
1886
Tod seiner Ehefrau Anna.
1890
in Eisenach Heirat mit der Halbschwester seiner 1. Ehefrau, Emilie Bramigk aus Köthen. Die Ehe bleibt kinderlos.
1890
Umzug von Köthen nach Kassel. Carl Begas d.J. übernimmt das Lehramt für Bildhauerei an der Kunstakademie in Kassel in der Nachfolge von Karl Hassenpflug. Atelier und Wohnung in Berlin behält er bei.
1898
Carl Begas legt das Lehramt auf eigenen Wunsch nieder.
1916
Am 20. Februar 1916 stirbt Carl Begas d.J. in Köthen an den Folgen eines Herzinfarkts.

